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Wenn der Prinz zum Frosch wird...
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Wie es begann
Genau gesagt begann es in der Nacht vom 16. April 2000. Frühmorgens
schaltete ich meinen Computer ein und fand in der Gimix- Communitiy einen
Eintrag in meinem Gästbuch von einem gewissen Blackfire: "Du bist bestimmt
Star Trek- Fan. Ich bin im Forum auf dich gestoßen. Schau doch mal auf
meiner HP vorbei. Dazu war der Link gepostet. Das Gimix- Jingle zeigte mir
an, daß Blackfire mir die Freundschaft angeboten hatte. Ich nahm das Angebot
an, war aber nun neugierig auf diese unbekannte Person geworden.
Ich klickte seinen Link an und fand eine Seite im Star Trek- Design. Vieles
über Star Trek- Cons und eine Reihe von Fotos von Auftritten der Stars. Eine
Menge Fotos von Hamburg. In einer ausführlichen Beschreibung seine
bisherigen Berufserfahrungen. Es stellte sich heraus, daß er ein Typ ist, 25
Jahre und in Hamburg eine Weiterbildung auf einer Vollzeitschule zum
Techniker macht.
Ich trug mich auf seiner Webseite ins GB ein mit einem recht
allgemeingehaltenen Text: "Nette Site, vor allem die Bilder. Hol mir gerne
Anregungen, um meine eigene private HP zu machen. Bisher habe ich nur meine
Geschäfts- HP drin, und daran bin ich auch immer noch am basteln. Bin auch
ein ST- Fan, im Gimix über Dich gestolpert. Ich betreibe mein Hobby aber
nicht so intensiv wie Du. Ich lese nur ein paar ST- Bücher, geh ins Kino und
schreibe gerade an einer Reportage über Gene Roddenberry. Bin gespannt, wie
Deine Site in ein paar Wochen aussieht. cu S." Ich bin ja ein höflicher
Mensch der nicht geht ohne einen Gruß zu hinterlassen.
Auch in Gimix schrieb ich ein paar nette Zeilen in sein GB. Er hatte ein
Bild von sich selber drin mit Star Trek- Uniform.
Eine Stunde später fand ich eine Mail von ihm bei GMX: Ziemlich allgemein
gehalten, ein paar persönliche Eckdaten die nicht auf seiner Seite standen.
Ich fand ihn sympathisch, fragte mich aber warum er mir unbedingt schreiben
muß, daß er Single ist und mit Frauen nur seltsame Erfahrungen gemacht hat.
Ob er damit irgendwas bezweckt???
Mir gings an diesem Tage hundsmiserabel: irgendein Magen- Darm- Virus hatte
mich gepackt. Ich pendelte fast den ganzen Tag zwischen Computer und Klo hin
und her. Mit Ausgehen war also nichts und außerdem hatte meine Freundin ihre
neueste Internet- Bekanntschaft zu Besuch und die beiden wollten mit
Sicherheit ungestört sein.
Aus Langeweile klickte ich immer wieder mal bei Gimix rein und las mich
kreuz und quer durch die Foren. Blackfire wurde mir fast immer online
angezeigt. Im "Freundschaft und Liebe"- Forum forderten einige Leute
lautstark ein Single- Forum. Keine schlechte Idee dachte ich und reihte mich
in die Riege der Fordernden ein. Ich gab meinen Kommentar zu einigen
Forenbeiträgen zu verschiedenen Themen ab. Immer wieder gab mir der Gimix-
Server die Nachricht, daß Blackfire auf meine Beiträge geantwortet hatte.
Ich dachte mir erst nichts dabei aber nach en paar Dutzend Antworten zu
Themen aus der Physik, Philosophie, Liebe, Religion und Film wurde mir die
Sache doch suspekt. Ich fragte mich ob er gezielt mit der Suchfunktion meine
Beiträge herausfischte. Wollte der sich interessant machen? Mir mit seiner
Vielseitigkeit imponieren? Abwarten und Tee trinken: Ist ja nur online und
aus diesem Grunde harmlos. Wer macht sich schon in einer gewöhnlichen
Community auf die Suche nach einer Frau um sein Singlesein zu beenden? Dafür
gibts diverse andere Seiten! Dachte ich zumindest.
Wir schrieben uns täglich Mails und Grüße in die Gimix- Gästebücher. Er ließ
mich raten woher er seinen Nick hätte: Klar wußte ich das, von Sonni Cooper
einem Star Trek- Buchautor. Schließlich bin ich literarisch nicht unbeleckt.
Die Mails wurden immer länger und persönlicher. Wir gaben mehr und mehr
voneinander preis, entdeckten eine Menge Gemeinsamkeiten und teilten
gemeinsame Interessen, mochten die gleiche Musik und die gleiche Literatur.
Schließlich tauschten wir unsere Handy- Nummern aus. Am nächsten Tag fragte
er per SMS wie es mir denn ginge und ob ich viel Arbeit hätte.
Von nun an schrieben wir uns nicht nur täglich Mails sondern auch mehrere
SMS am Tag.
An einem Freitag Abend chattete ich mit einigen meiner Gimix- Freunde. Als
Blackfire mir online angezeigt wurde lud ich ihn in unseren Chatraum ein. Es
wurde ein stundenlanger Chat. Es hatte sich die richtige Mischung von Leuten
im Chatraum zusammengefunden die im Chat nicht nur Small Talk und Blabla
austauschen wollten. Kurz vor Mitternacht orderte ich mir noch per Handy
eine Pizza sehr zum Mißfallen des Pizzabäckers der sich schon auf seinen
wohlverdienten Feierabend eingestellt hatte. Dafür bekam er ein nettes
Trinkgeld als er die Pizza an meiner Tür ablieferte.
Nach Mitternacht verabschiedete sich ein Chatter nach dem andern. Um 5 Uhr
Samstag Früh waren nur noch Blackfire und ich übrig. Ich hatte ein
merkwürdiges Gefühl im Bauch das ich nicht einordnen konnte.
Wir chatteten über verschiedene Themen aus dem Lehrstoff der Elektrotechnik.
Er fand es schade, daß wir so weit auseinander wohnten, denn sonst könnten
wir zusammen lernen.
Meine Freundin hatte sich einen gebrauchten PC gekauft. Anfangs lief alles
prima aber nach einer Woche fing das Teil richtig zu spinnen an. In gewisser
Weise habe ich ein Händchen für Technik, aber bei manchen Sachen muß ich
passen.
Also fragte ich Blackfire über sein GB was ich tun könnte damit der PC
wieder läuft. Er bot mir an ihn in der Pause anzurufen wenn ich vorm Rechner
meiner Freundin sitze.
Unser erstes Telefonat drehte sich fast nur um den maroden Rechner. Ich
mochte seine Stimme. Einem unserer Gimix- Freunde hat er ins Gästebuch
geschriben, daß er seit unserem Telefonat mit einem breiten Grinsen im
Gesicht rumläuft...
Hatte ich da einen bleibenden Eindruck hinterlassen?
Ich beklagte mich häufig über die Deppenjobs die ich gezwungenermaßen zum
Überleben machen mußte und über meinen damaligen Geschäftspartner der sich
aus dem Staub gemacht hatte. Große Klappe nichts dahinter! Er hörte
bereitwillig zu und beklagte sich nicht darüber, daß ich ihn als Mülleimer
benutze oder ständig am Jammern sei wie es frühere männliche Bekannte getan
hatten.
Im Mai fuhr er mit seinem Vater, der ebenfalls Star Trek- Fan ist, zur
alljährlichen Fed Con nach Bonn. dort treten verschiedene Stars aus der
Serie und den Filmen auf, unter anderem Tim Russ, der nicht nur Schauspieler
ist sondern mit einer Band auch Konzerte gibt. Blackfire schrieb mir in
einer SMS, daß er für mich als Geschenk die CD von Tim Russ gekauft hätte.
Ich war von den Socken, daß ein Mensch, den ich nur aus dem Chat und vom
Telefonieren kannte für mich ein Geschenk besorgte.
Ein paar mal war er eifersüchtig auf meine Gimix- Freunde. Ich konnte dies
nicht verstehen, da doch alles nicht real sondern nur auf der virtuellen
Ebene stattfand. Einige warnten mich davor Blackfire zu treffen, da sie sich
Sorgen wegen seines seltsam eifersüchtigen Verhaltens machten.
Die Pfingstferien rückten näher und ich brauchte in dieser Zeit nicht zur
Arbeit und er nicht zur Schule. Er lud mich ein ihn zu besuchen. Einfach so,
ohne irgendwelche Erwartungen. Ich sagte gleich zu, denn ich war neugierig
auf den Unbekannten, der für mich bisher nur eine Stimme am Telefon war und
geschriebener Text in Chats und Mails.
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Posted: 03:10, 27.05.2006 |
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Blackfire wird real
Bisher hatte ich erst einmal ein Blind Date: Mit 19 traf ich meine
Brieffreundin aus Stuttgart real. Wir hatten uns zuvor fast 6 Jahre lang
Briefe geschrieben. Diese Briefe habe ich heute noch. Eine der wenigen
schönen Erinnerungen an meine Teenie- Zeit.
Ich wurde immer nervöser je mehr sich der ICE Hamburg näherte. Würden wir
uns gleich erkennen? Wenn nicht gabs ja immer noch unsere Handys. Der Zug
hatte Verspätung. Seinen SMS entnahm ich, daß er auch ganz schön aufgeregt
war. Er schreib mir was er anhatte, damit ich ihn ja nicht verfehlte.
Ich sah mich auf dem Bahnsteig um. Es war nur eine Person da, die der
Beschreibung entsprach und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Foto hatte. Ich
fragte ihn, ob er T. sei. Wir umarmten uns zur Begrüßung wie alte Freunde.
Bei diesem ersten direkten Kontakt waren wir beide ein wenig verlegen und
redeten nur belangloses Zeug. Hand in Hand gingen wir zu seinem Auto. Nun
war aus der virtuellen Person Blackfire die reale Person T. geworden.
Er hatte sich den Wagen seines Vaters geborgt. Seine Wohnung lag nicht
direkt in Hamburg sondern in Winsen im Haus der Großeltern etwa eine
Viertelstunde mit dem Auto entfernt. Da er sich in Hamburg nicht besonders
gut auskannte drückte er mir den Stadtplan in die Hand und fragte mich ob
ich sein Navigator sein wolle.
Er war sympathisch, so wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Zu Hause zeigte er
mir stolz seine Sammlung von Autogrammen von Star Trek- Schauspielern und
die Fotos die er auf Cons gemacht hatte. Wir redeten noch sehr lange über
Gott und die Welt.
Meine beiden besten Freunde waren gerade aus der Stadt weggezogen. Ich war
deswegen sehr deprimiert und er war sehr verständnisvoll - die breite
Schulter zum Anlehnen und Ausheulen.
Am zweiten Abend Chatteten wir gemeinsam an seinem Rechner mit unseren
Gimix- Freunden. Ich merkte, daß seine Nase immer wieder dicht an meine
Haare wanderte um daran zu schnuppern. Wenn ich mich umdrehte zog er schnell
seinen Kopf zurück.
Am nächsten Tag schauten wir uns gemeinsam Star Trek Voyager an. Dabei
alberten wir herum. Plötzlich nahm er mich in den Arm und wir küßten uns
lange. Wir kuschelten. Voyager war nebensächlich geworden. Wir verbrachten
die erste Nacht miteinander: Eine lange Nacht voller Leidenschaft und
Zärtlichkeit. So schnell hatte es bisher noch bei keinem Mann gefunkt.
Eine Beziehung mit einem Typ der 14 Jahre jünger ist als ich und außerdem
noch 800 Kilometer weit weg wohnt - ich mußt doch echt einen Schatten
haben, dachte ich!
Er war nicht super- ordentlich oder übertrieben reinlich. Aber das alles
bewegte sich in akzeptablen Grenzen. Er duschte sich fast täglich, hatte
gepflegte Haare und rasierte sich die Achseln. Endlich mal einer, der nicht
die Neigung zum Schmuddeltyp hatte!
Um mich richtig wohl zu fühlen habe ich bei meinem ersten Besuch mal seine
Wohnung aufgeräumt und ein wenig entstaubt. Das hat ihn erstaunt und
gerührt. Seine CDs die offen und durcheinander überall herumlagen in die
Hüllen einsortiert und ins Regal gesteckt. In seinem Bücherregal fand ich
beim Einräumen einige Werke von John Grey und ähnlichen Autoren, die sonst
nur von Frauen gelesen werden. Aber er war bereit zu lernen. Bei meinem
nächsten Besuch sah es viel ordentlicher aus. Er vertrat die Meinung, daß
der Haushalt Sache von Mann und Frau sei.
Ich machte von Anfang an keinen Hehl daraus, daß ich keine gemeinsamen
Kinder wollte und daß ich aus gesundheitlichen Gründung keine Kontrazeptiva
einnehmen wolle. Der Gebrauch eines Kondoms war für ihn während der ganzen
Zeit unserer Beziehung kein Problem.
Ein Mann der John Grey und Ähnliches ließt und für die Gleichberechtigung
der Geschlechter eintritt, das haute mich vom Sockel.
Einmal fuhren wir nach Hamburg rein und schauten uns die Stadt und den Hafen
an. Mit ihm zusammen verging die Zeit viel zu schnell.
Als ich nach einer Woche wieder fahren mußte fiel mir der Abschied sehr
schwer. Glücklicherweise war er kein Freund langer Abschiedsszenen, denn
dann hätte ich wirklich das Heulen angefangen.
Schon bei meinem ersten Besuch waren meine Gefühle für ihn anders als für
die Männer die ich vor ihm gekannt hatte. Es war nicht dieses Mißtrauen da,
daß er etwas vor mir zu verbergen hatte. T. kam mir vor wie ein Vertrauter
den ich schon viele Jahre kannte.
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Posted: 03:09, 27.05.2006 |
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Nähe auf Distanz
Einen Teil seiner Sommerferien verbrachte er bei mir in München. Er lobte
meine Kochkünste: Meist kochte ich indisch oder orientalisch, so wie ich das
durch meinen damals recht internationalen Freundeskreis gelernt hatte.
Wie alle Verliebten landeten wir fast jeden Abend im Bett oder hockten in
jeder freien Minute zusammen. Der Sex war prickelnd und abwechslungsreich.
Bei meinem zweiten Besuch bei ihm fuhren wir nach Hamburg in die
Stadtbibliothek. Ich habe mir Arbeit mitgenommen, da er zu dieser Zeit keine
Ferien hatte. Zu einem Problem fand ich in den Fachbüchern keine Lösung und
mußte mir diese aus Nachschlagewerken einer öffentlichen Bücherei besorgen.
Ich zeigte ihm, wie man sich in einer Bücherei Informationen heraussucht.
Dies war für ihn Neuland. T. klagte über fürchterliche Knieschmerzen: "Du
mußt dich damit abfinden einen Krüppel zum Freund zu haben". Über diese
Selbsteinschätzung war ich dermaßen schockiert, daß ich kurz davor war
loszuheulen. Es kostete mich viel Überwindung mich zusammenzureißen, denn
einen Menschen der mit ihm heulte brauchte er in diesem Moment bestimmt
nicht. Ich drückte ihn fest und versuchte ihm irgendwie mitzuteilen, daß er
für mich dennoch ein vollwertiger Partner sei.
Während unserer Fernbeziehung bekam ich täglich mindestens eine liebe SMS.
Es war manchmal fast unheimlich wie wir beide miteinander harmonierten. Auch
E- Mails schrieben wir uns fast jeden Tag.
Wir chatteten fast täglich und alle paar Tage telefonierten wir miteinander.
Er telefonierte lieber weil er dabei meine Stimme hören konnte. Ich zog
Chatten vor, denn ich mochte seine Art zu schreiben und wollte seine Sätze
mehr als einmal lesen. Gewiß war ich damals vom Chatten als einer neuen Form
der Kommunikation fasziniert: Sie hatte nicht das Flüchtige wie ein
Telefonat: Man kann auf jeden Satz so oft eingehen wie man will, ihn immer
wieder lesen oder den Chat sogar ausdrucken. Man kann in einem Chat wie in
einem Buch lesen und die Gedanken mit dem Schreiber teilen. Ich hatte das
Gefühl ihm im Chat näher zu sein als im Telefonat. Diese wenigen gemeinsamen
Augenblicke waren für mich wertvoll und ich wollte sie so intensiv wie
möglich auskosten.
Bei seinen Besuchen lernte er einige meiner Freunde, Bekannte und meine
Familie kennen. Sie waren ihm sympathisch. Aber meine Freundin war ihm ein
wenig suspekt. Angeblich hatten wir beide einen seltsamen Humor. Wir
unternahmen öfters was gemeinsam und ich hatte das Gefühl, daß die Treffen
harmonisch verliefen.
Im September besuchte ich ihn zu seinem Geburtstag. Da er immer wieder unter
Depressionen wegen seiner Knie und dem damals schlechten Verhältnis zu
seinem Vater litt kaufte ich für ihn ein Buddha- Armband aus Ametisten.
Diesen Steinen wird nachgesagt, daß sie negative Energien aufsammeln und
eine heilende Wirkung bei Depressionen haben. Von da an trug er dieses als
Freundschaftsarmband.
An seinem Geburtstag hatte sein Vater uns ins Kino eingeladen. Es lief X-
Men. Er versetzte uns an jenem Tag aber und wir schauten uns den Film
alleine an. Dies war der Beginn einer tiefen Krise in der Vater - Sohn -
Beziehung. Ich fühlte, daß T. von diesem Zustand innerlich zerrissen war.
Im letzten Viertel des Jahres 2000 bekam er immer größere Schwierigkeiten in
der Schule und verstand vom Lernstoff immer weniger. Ein halbes Jahr vorm
Abschluß beschloß er die Ausbildung zu schmeißen. Nun hatte er sich in den
Kopf gesetzt das Fachabi nachzumachen und danach Informatik zu studieren. Er
fragte mich ob ich ihm dann mit Mathe ein wenig helfen könnte. Nun, das war
für mich kein Problem, Mathe fand ich nie besonders schwierig. "Dann zieh
ich fürs Erste mal bei dir ein", meinte er dann so ziemlich aus heiterem
Himmel. Ich hatte nichts dagegen, denn die Wohnung war für mich alleine
sowieso zu groß. Das war im November 2000.
Wir planten per E- Mail seinen Umzug. Vorher sollte ich noch ein paar Tage
bei ihm sein und ihm beim Packen helfen. Ein Satz, der mir von einer Seiner
Mails bis heute in Erinnerung geblieben ist und mir sehr unter die Haut
ging: "... und dann fahre ich mit meinen Möbeln zu dir, für immer."
In unserer vorletzten Nacht in Winsen sagte ich ihm, daß ich mir wünsche,
daß er der letzte Mann in meinem Leben wäre. Er schien davon sehr gerührt zu
sein und meinte, daß dies für ihn so was wie ein Heiratsantrag sei. Wir
redeten sehr lange und ausgiebig darüber was jeder von uns sich von unserer
Beziehung und der Zukunft erwartet. Seine Erwartungen schienen mir ziemlich
hochgesteckt. Ich hatte die Befürchtung, daß ich seinen Erwartungen nicht
gerecht werden könnte und das Experiment in einer Riesenenttäuschung für ihn
enden könnte. Schließlich ließ er alles ihm Vertraute hinter sich zurück um
mit mir zusammen etwas Neues aufzubauen. Zumindest dachte ich das damals. Er
sprach mir sein Vertrauen aus. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals
vorher schon mal in meinem Leben eine Situation erlebt zu haben, welche
dermaßen vom Gefühl der Liebe und der Nähe geprägt war wie diese. Gegen
meinen Willen fing ich an zu weinen. Ich erzählte ihm von meinen Ängsten.
Ich erwartete nicht mehr, als daß mich ein Mann so nimmt wie ich eben bin,
mit allen Ecken und Kanten.
Aus seinem Bücherregal zog er eine kleine Holzkiste. Darin sammelte er
Erinnerungsstücke an frühere Beziehungen: Kleinigkeiten, Geschenke und
Briefe. Bei dieser Gelegenheit beichtete er mir, daß das Armband, das ich
ihm zum Geburtstag geschenkt hatte auch schon mal kurz dorthinein gewandert
war. Seine beiden vorherigen Freundinnen hatten sich von ihm getrennt und er
erzählte wie schlimm dies für ihn gewesen war und wie sehr er unter den
Trennungen gelitten hatte. Ich spürte, wie er während seiner Erzählungen die
alten Gefühle nochmals durchlebte und litt mit ihm.
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Posted: 03:09, 27.05.2006 |
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Unser Nest
Ende Januar 2001 zog er bei mir ein. Die Wohnung die für mich alleine zu
groß war erwies sich nun für zwei Leute als zu klein. Das Chaos war
vorprogrammiert, aber das störte uns nicht. Wir arrangierten uns mit den
Gegebenheiten. Ich war gerade dabei mich arbeitsmäßig neu zu orientieren und
verdiente fast zwei Monate gar nichts. Dann lief es allmählich an. Er wurde
von einer Firma die ihn einstellen wollte gelinkt und war nun arbeitslos.
Das Geld reichte nur für das allernötigste; aber das war uns auch egal.
Hauptsache wir waren zusammen und wir waren vor allem glücklich.
Ich hatte für ihn das große Zimmer leer geräumt, denn ich fühlte mich in dem
kleinen Zimmer das nach hinten zum Hof rausging wohler. Es herrschte
tagelang das Umzugschaos, denn er hatte für das Zimmer viel zu viele Sachen.
Ich war am Abend immer todmüde und legte mich auf sein Sofa zum ausruhen. Er
fand es jedesmal süß wie ich mich in meiner Wolldecke einrollte.
Wir erledigten fast alles gemeinsam: Sein Abgangszeugnis in Hamburg holten
wir zusammen in seiner Schule ab. Ich begleitete ihn zum Arbeitsamt und wir
holten uns am gleichen Tag unsere Gewerbescheine.
Seit meiner Schulzeit leide ich unter Migräne- Anfällen. Er zeigte
Verständnis dafür und ließ mich dann in Ruhe wenn es mir wieder mal schlecht
ging. Er brühte mir Tees auf wenn ich krank war. Ich tat das Gleiche für
ihn, hatte Verständnis für sein chronisches Gelenkleiden und verachtete ihn
nicht deswegen. Wir nahmen gegenseitig Rücksicht aufeinander wie ich es
vorher noch mit keinem andern Mann erlebt habe.
Da wir beide auf unser Gewicht achten mußten kauften wir gezielt
Lebensmittel ein: Kalorienarm und nährstoffreich. Fleisch gab es nur ganz
selten. Wurst überhaupt nicht.
Nach der Arbeit freute ich mich darauf nach Hause zu kommen. Wir aßen
gemeinsam und redeten viel. Es machte sogar einer Anti- Hausfrau wie mir
Spaß für ihn zu kochen. Er sparte nicht mit Lob und ich sah ihm an, daß es
ihm schmeckte. Zum Essen gab es Wein und wir zündeten Kerzen oder Duftlampen
an. Wir schufen ein gemütliches Ambiente und nach dem ausgiebigen Essen und
langen Gesprächen machten wir einen Spaziergang oder landeten gemeinsam im
Bett. Ich hatte das Gefühl, daß es da jemanden gab, dem ich wichtig war. Wir
sind mehrmals die Woche ausgegangen und machten lange Spaziergänge. Die
Gesprächs- und Diskussionsthemen sind uns nie ausgegangen und wir haben das
Zusammensein genossen. Endlich gab es jemanden der Anteil nahm an meinem
Leben und sich für das interessierte was ich zu erzählen hatte.
T. trat einem Klingonen- Club bei und ging auch zu einigen der Treffen.
Endlich hatte er ein paar Gleichgesinnte gefunden und die Aktivitäten
machten ihm Spaß. Ich freute mich für ihn denn ich begann mir allmählich um
seine Psyche Sorgen zu machen: Immer öfter war ich durch meine Arbeit außer
Haus und er saß alleine vor seinem Rechner. Er fuhr auch zu einem großen
Treffen nach Berlin wo er unseren Gimix Freund SB endlich mal persönlich
kennenlernte. Bald gab es aber Mißverständnisse zwischen ihm und zwei der
Club- Mitglieder. Dies eskalierte so weit, daß T. aus dem Club austrat.
Im Spaß nannte ich ihn einmal "mein Bärchen". Das gefiel ihm und von nun an
war das mein Kosename für ihn.
Genau wie ich hielt er nicht viel vom Heiraten. Liebe ist nicht an ein Stück
Papier gebunden. Er nannte mich dennoch seine Frau. Über ein Jahr lang
hatten wir nicht einen einzigen Streit oder eine größere Auseinandersetzung.
Wir redeten sehr viel und offen über Alles miteinander.
Durch einen Kollegen bekam ich noch eine weitere Arbeit: Ich konnte Samstags
in einem Buchladen verkaufen. Endlich hatte ich so viel Geld, daß ich den
Pfennig nicht mehr dreimal umdrehen mußte bevor ich ihn ausgab. nun konnte
ich mal eine Flasche guten Wein oder was Teureres zum Essen für uns beide
kaufen.
Wir schmiedeten Pläne für ein gemeinsames Haus oder eine größere Wohnung und
schauten uns im Internet Modelle von Häusern an. Es schien jetzt aufwärts zu
gehen. Wir sprachen auch über die Adoption eines Kindes.
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Posted: 03:08, 27.05.2006 |
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Die erste Krise
Nach ein paar Monaten wurden die gemeinsamen Unternehmungen immer seltener:
Jede Kneipe war ihm entweder zu teuer, zu verraucht oder zu laut. In der
Fußgängerzone zu flanieren war ihm zu anstrengend. Ein Ausflug in die Berge
war ihm im Hinblick auf sein Knieproblem zu frustrierend. Einen Besuch im
Fitness- Studio lehnte er ab weil dies nichts bringe wenn man es nicht
regelmäßig macht. Für Massenveranstaltungen oder überteuerte Großkonzerte
war ich wiederum nicht zu haben. Was blieb dann also noch übrig?
Im Sommer gingen wir fast gar nicht mehr aus dem Haus.
Er redete auch nicht drüber was ihn bedrückte und warum er sich mehr und
mehr einigelte. Seine erfolglose Arbeitssuche frustrierte täglich aufs Neue.
Ich hielt mich zurück, denn da wollte ich ihm nicht noch ein Problemgespräch
aufzwingen. Also lies ich ihn in Ruhe.
Auch die Streicheleinheiten die ich von ihm bekam wurden immer mehr rar. Ich
vermißte es, daß er sich einfach zu mir setzte, sich an mich kuschelte und
meine Haare streichelte. Das hatte er in der Anfangszeit unseres
Zusammenlebens sehr oft getan.
Nachdem er bei mir eingezogen war meldeten sich meine Freunde und Bekannten
auch immer seltener und schließlich gar nicht mehr. Ehrlich gesagt weiß ich
bis heute nicht warum. Es hat nie einer was Negatives über T. gesagt.
Er war weiterhin arbeitslos und ich hatte mehrmals die Woche meine Jobs
außer Haus. So begann er sich alleine zu fühlen. Es störte ihn, daß er bis
dato so wenige Menschen in München kannte.
Ich konnte ihn ein paarmal zum Besuch des Festivals im Olympiapark
überreden.
Über Gimix versucht er Münchner kennenzulernen. Er verabredete sich mit
mehreren Leuten an einem Samstag in einer Kneipe. Ich hatte keine Lust mich
so mal einfach mit Unbekannten zu treffen aber ich hatte nichts dagegen, daß
er es tat; denn ich fühlte wie er unter seiner Arbeitslosigkeit litt.
Beim Treffen tauchte dann nur eine Frau auf. Unter dem Vorwand Freundschaft
zu suchen machte sie sich an ihn heran. Eines Abends waren wir nach der
Arbeit im Olympiapark verabredet. Am Nachmittag hatte T. seine neue Bekannte
besucht. sie wußte, daß er am Abend mit mir verabredet war. Sie sorgte
dafür, daß er die Zeit aus dem Auge verlor und so die Verabredung mit mir
nicht einhalten konnte. Als ich nach dem Konzert nach Hause kam und er nicht
da war und auch auf keinem Telefon angerufen hatte war ich sauer. Ich hatte
schon beim Lesen einiger Foren-Beiträge in Gimix den Verdacht, daß diese
Frau mehr suchte als nur einen Freund zum Quatschen. Ich rief T. mehrmals
an. Er ging nicht ans Handy. Es kam auch keine SMS. Jetzt hatte ich zum
ersten Mal den Verdacht, daß hier mehr lief als nur Freundschaft und daß ihm
an der Beziehung mit mir nicht mehr so viel lag wie am Anfang. Vor
Mitternacht kam eine SMS, daß er sich jetzt auf den Weg nach München mache.
Keine Entschuldigung, keine Erklärung, gar nichts. Jetzt war ich richtig am
Kochen. Ich schrieb ihm zurück, daß er bleiben solle wo der Pfeffer wächst
und brauche gar nicht mehr zu kommen. Er kam diese Nacht nicht nach Hause.
Als ich am nächsten Tag aus dem Buchladen nach Hause kam war er immer noch
nicht da. Nun war für mich die Sache klar. Am Nachmittag kam er schließlich
angedackelt und fing an wortlos seinen Rucksack zu packen. "Ziehst du jetzt
gleich bei ihr ein?" "Nein, ich fahre zu meinen Eltern nach Hamburg!" Jetzt
war ich platt. Er brauche mal Abstand und Ruhe von allem. Ich wollte eine
Erklärung für sein Verhalten, warum er mich versetzt hatte, nicht angerufen,
warum er nicht mit mir reden wolle und überhaupt der gesamte Frust, der sich
die letzten Wochen in mir aufgestaut hatte. Ich knallte ihm Alles vor die
Füße.
Ich hatte wochenlang auf seine Situation Rücksicht genommen aber ich war ihm
nicht einmal einen Anruf wert.
Er fuhr zu seinen Eltern und blieb dort zwei Wochen. Er schickte mir Blumen
und beteuerte mir auch nach seiner Rückkehr immer wieder seine Liebe. Aber
es war nicht mehr wie vorher. Ich hatte das Gefühl des Verlustes, etwas
hatte sich geändert: Der Zauber, das Geheimnisvolle, das Einmalige, das
unsere Liebe ausmachte war verschwunden. Etwas war für immer zerbrochen.
Er beteuerte immer wieder, daß er mit dieser Frau damals nicht intim gewesen
wäre. Sie hätte ihn schon deswegen abgestoßen weil sie dick sei und er Sex
mit dicken Frauen total abstoßend findet. Heute bin ich mir nicht mehr so
sicher ob da nicht doch was gelaufen ist.
Ich hatte nichts dagegen, wenn er eigene Freunde hatte. Aber ich erwartete
von diesen Freunden, daß sie unsere Beziehung respektierten und nicht
versuchten uns auseinander zu bringen.
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Posted: 03:07, 27.05.2006 |
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Silberstreifen am Horizont
Von einer Schülerin bekam ich zwei junge Meerschweinchen geschenkt. Wir
waren richtig begeistert von den beiden. Nach einigen Tagen machte eines
einen kränklichen Eindruck. T. wollte unbedingt zum Tierarzt mitgehen,
schließlich seien die beiden ja "unsere Kinder". In gewisser Weise waren sie
damals für uns ein Ersatz für eigene Kinder. T. hatte jemanden um den er
sich kümmern konnte.
Im Januar 2002 bekam er vom Arbeitsamt eine Zusage für die Förderung einer
beruflichen Weiterbildung zum Webdesigner. Nach ein paar Tagen Schule blühte
er richtig auf. Ich freute mich für und mit ihm und wir sahen die Zukunft
bis auf ein paar Kleinigkeiten wieder rosig.
Der Lehrstoff fiel ihm leicht und täglich hatte er seine Erfolgserlebnisse.
Abends berichtete er voller Stolz was er Neues gelernt hatte und welche
Aufgaben er lösen mußte.
Kurz darauf stellte sich bei unsern beiden Lieblingen Nachwuchs ein. Drei
süße kleine Schweinchen. eines davon sah aus wie ein Hamster und hatte von
nun an diesen Namen weg. T. war von unserer Meerie- Familie so angetan, daß
er seine Webcam installierte und die Bilder ins Netz stellte. So konnte er
auch während des Unterrichts immer weder mal nachschauen was die Schweine
machten. Auch seine Mitschüler waren von den Kleinen begeistert.
Es schien mit einem Male wieder alles im grünen Bereich zu sein.
Nach ein paar Monaten wurde eines der Kleinen krank. Trotz Behandlung wurde
es immer schlimmer. Er hatte eine Gelenkentzündung von der er sich nicht
mehr erholte. Da er sich kaum noch bewegen konnte mußten wir mit ihm täglich
mehrmals Gymnastik machen und ihn öfters mal baden. Als er dann nach ein
paar Monaten starb haben wir gemeinsam um ihn geweint. In unserer Trauer
waren wir uns nah und verbunden wie lange nicht mehr.
Während der Weiterbildung hatten wir erneut eine kleine Krise: T. und seine
Mitschüler fingen an während des Unterrichts zu chatten. Er chattete in
Gimix und ICQ. Auf diese Weise machte er erneut die Bekanntschaft einer Frau
welche angeblich nur auf der Suche nach Freundschaft war. Schon nach ein
paar Tagen mailte sie ihm ein Bild von sich. Sie war sogar so dreist in
unserer Wohnung anzurufen. Er betonte wieder, daß da gar nichts wäre von
seiner Seite. Es kamen wieder seine Standardsprüche wie unerotisch er dicke
Frauen fände. Ich ging darauf nicht ein und stellte klar die Alternative:
Sie oder Ich. Mit jedem weiteren Kontakt mir ihr hätte er seinen Rausschmiß
riskiert.
Am Ende der Weiterbildung tat T. sich mit einer Klassenkameradin zusammen.
Gemeinsam hatten sie eine Geschäftsidee und wollten eine Firma für Webdesign
gründen. Dies scheiterte jedoch daran, daß seine Geschäftspartnerin ihr
Privatleben nicht auf die Reihe bekam und ihr ferner das Gespür fehlte
potentielle Kunden von Dampfplauderern zu unterscheiden.
Die Sache ging gehörig in die Hose.
T. war erneut arbeitslos und fiel nach und nach in immer tiefere
Depressionen.
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Posted: 03:07, 27.05.2006 |
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Der Untergang
Im Mai war er wie jedes Jahr bei der Fed Con in Bonn. Ich hatte ein paar
Tage Zeit für mich. Ich nutzte die Zeit um mir selber was gutes zu tun. Nach
seiner Rückkehr kommentierte er meine neue Frisur nur mit den Worten: "Jetzt
muß ich mich daran wieder gewöhnen" . Da war es mit meiner
Wiedersehensfreude vorbei und der Rest des abends für mich erledigt.
Das Essen, das ich mit viel Mühe nach einem harten Arbeitstag gekocht hatte
wurde nur noch vorm PC runtergeschlungen. Ich bekam mittlerweile weder Lob
fürs Essen, noch Komplimente als Person geschweige denn Liebe. Auch der Sex
wurde immer langweiliger. Die Spaziergänge wurden immer seltener und Hand in
Hand gingen wir dabei auch nicht mehr. Er verkroch sich immer mehr hinter
seinem Computer und spielte mit seinem Flugsimulator. Dieses Hobby baute er
immer weiter aus und stürzte sich dafür in Schulden. Anfangs begnügte er
sich noch mit seinem uralten Joystick den er aus dem Keller holte. Nach ein
paar Wochen mußte das neueste und teuerste Modell her. Ständig lud er sich
für teures Geld neue Szenerien, Flughäfen und Flugzeuge aus dem Netz
herunter. Dann bestellte er sich Pedale und schließlich schraube er eine
Pilotenkonsole an seinen Schreibtisch. Dieser glich mittlerweile mehr das
einem Pilotencockpit als einem nüchternen Arbeitsplatze. Nur der Saustall
aus leeren Alkflaschen, Papierstapeln, Schokoladenpapieren und Chipstüten
paßte nicht in das Bild des Cockpits. Immer wieder mußte ihm sein Vater mit
ein paar Hunderten aushelfen.
Während seiner simulierten Flugabenteuer war er online ständig mit dem
Wetterdienst verbunden um möglichst unter realistischen Bedingungen zu
fliegen. Wenn sich draußen ein Unwetter ankündigte haben wir früher
gekuschelt oder den Wettergewalten zugeschaut. Jetzt stürzte er bei einem
aufziehenden Gewitter an den Computer um mit einem Flugzeug gegen das Wetter
anzukämpfen. Wenn er nicht flog diskutierte er mit Gleichgesinnten in
verschiedenen Foren weltweit. Gab es einmal ernsthafte Probleme mit dem
Simulator fühlte er sich selber krank und war mißgelaunt ohne Ende. Diesen
Frust lies er dann in form von Gemeckere an mir aus.
Eines Tages fragte ich ihn ob ich auch noch eine Stewardessen- Uniform
anziehen solle wenn ich ihm das Essen oder den Kaffee serviere. Diesen Wink
mit dem Zaunpfahl hatte er nicht mal zur Kenntnis genommen.
Es war egal wie sehr ich mich darum bemühte uns eine angenehme Umgebung zu
schaffen, er hatte nur noch an Allem was zu meckern. Es gab keine Gespräche
mehr, er hatte keine Lust zuzuhören. Wenn ich versuchte ein Gespräch
anzufangen ignorierte er dies einfach. Jegliche Diskussionsversuche
verweigert er oder reagierte darauf sogar aggressiv.
Ich gehörte zum Inventar so wie der Tisch und das Sofa. Zeichen der
Wertschätzung gab es nicht mehr. Er gab sich auch keine Mühe mehr mir zu
gefallen. Weder im Aussehen noch im Verhalten.
Ich schenkte ihm ein Milka Herz zum Valentinstag und ein kleines Stofftier.
Dies versetzte ihn in maßloses Erstaunen. Er hätte nie gedacht, daß dieser
Tag mir etwas bedeute war seine ganze Reaktion darauf. Ich kochte innerlich
und beschloß künftig auch den Tag der Liebenden zu ignorieren. Warum sollte
ich einem Menschen zeigen, daß mir was an ihm liegt wenn das bei ihm gar
nicht ankommt?
Seine Kommunikation zu Hause bestand fast nur noch aus Schweigen, Meckern,
dem tippen der Tastatur und dem Klicken der Maus. Sein Zimmer war erfüllt
von Geräuschen die mehr an eine Abflughalle erinnerten als an eine
gemütliche Wohnstube. Außerdem ist für gewöhnlich eine Abflughalle sauberer
als es damals schon seine Bude war!
In seinem ganzen Verhalten wurde er zunehmend nachlässiger: Der Müll wurde
immer seltener runtergetragen. Eingekauft wurde nur noch auf den letzten
Drücker oder gar nicht. Denn schließlich gab es ja den Pizza- Service grade
über die Straße und wenn er mal wieder kein Geld für die Pizza hatte würde
ich ihn schon nicht verhungern lassen.
Unsere "Kinder" die Meerschweine hingen jetzt alleine an mir. Letztendlich
verfrachtete ich sie dann auch in mein Zimmer.
Die schmutzigen Klamotten stapelten sich immer häufiger auf seinem Sessel.
Zum Waschen aussortiert wurde erst nach mehrmaliger Aufforderung und dann
nur unter Grummeln und Murren. Irgendwann gar nicht mehr.
Wenn ich die Betten nicht frisch bezog vermieften sie. In seinem Zimmer
hielt er es tagelang ohne zu lüften aus. Ein Öffnen der Balkontür bewirkte
ein Klagen über das dadurch verursachte Ansteigen der Energiekosten.
Immer öfter platzte mir der Kragen und ich explodierte vor angestauter Wut.
Dann knallte ich ihm alles vor den Kopf was sich in den Wochen angestaut
hatte. Anfangs bekam er noch ein schlechtes Gewissen. Er entschuldigte sich
und brachte mir vom nächsten Einkauf Schokolade oder irgendeine andere
Kleinigkeit mit. Ein paar Wochen gab er sich dann Mühe seinem Part an einer
funktionierenden Beziehung gerecht zu werden. Dann riß nach und nach der
alte Schlendrian wieder ein. Die Phasen seiner Bemühungen wurden immer
kürzer bis sie schließlich auf nicht mal eine Woche geschrumpft waren und
meine Explosionen kamen immer öfters.
Im November 2003 beschlossen wir aus der Not eine Tugend zu machen und
unsere eigene Service- Agentur aufzubauen. Wir fanden einen Namen, kauften
die Domain, druckten unsere Visitenkarten. Er war mit ganzer Seele dabei.
War dies ein Zeichen, daß es doch wieder besser werden konnte? Ich war nur
zu gerne bereit daran zu glauben.
Weihnachten 2003 ließ er mich mit dem gesamten Weihnachtsgeschäft sitzen.
Der Tod seines Großvaters mütterlicherseits hatte ihn kaltgelassen. Er hatte
auch kein Interesse daran beim Begräbnis dabei zu sein. Um den Tod der
Großmutter mütterlicherseits machte er plötzlich ein Riesentheater: Er
buchte einen Flug für den 22. Dezember den sein Vater großzügig bezahlte.
Die letzten drei Tage vor Weihnachten und die Tage vor Silvester durfte ich
also alleine schuften. Ich hatte die ersten Zweifel daran ob es ihm mit der
gemeinsamen Firma wirklich ernst war und stellte außerdem die ganze
Beziehung ernsthaft in Frage. Bei unserem alten Chatfreund SB hat er sich
ausgeheult. Mit viel Mühe hatte dieser unsere Beziehung und damit die
Firmengründung nochmal gerettet.
Heute weiß ich, daß dies ein großer Fehler war.
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Posted: 03:06, 27.05.2006 |
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Die Firma
Das Geschäft lief bestens an. Wir bekamen immer wieder neue Aufträge und
waren bald ausgebucht. Im März kam der erste Großkunde und damit war eine
zweite Mitarbeiterin notwendig.
Ideen, wie wir die Fahler der anderen vermeiden und wie wir es besser machen
konnten hatten wir jede Menge. Sicher gab es auch ein paar kleine
Rückschläge. Mir war dieser steile Aufwärtstrend schon unheimlich.
Bei der Arbeit machten T. seine Knie immer wieder zu schaffen und er litt
vor allem psychisch darunter. Durch eine Vereiterung am Fuß kam er zu einem
guten Arzt, der ihm auch eine korrekte Diagnose für sein Knieproblem
erstellte. Ich ermutigte T. sich weiter drum zu kümmern, ob sich hieraus
nicht neue Behandlungsmöglichkeiten ergeben könnten. Schließlich fand sich
in Kiel eine Klinik die die OP machen konnte.
Im Juli 2004 ließ T. sich dann sein Knie ambulant operieren. Die Zeit der
Rekonvaleszenz verbrachte er bei seinen Eltern. Er hatte mich nicht einmal
gefragt, ob ich ihn nicht mal für ein Wochenende oder ein paar Tage dort
besuchen wollte. Mittlerweile weiß ich, daß ich dort schon zu jener Zeit
nicht mehr erwünscht war. Telefoniert hatten wir zu dieser Zeit fast gar
nicht obwohl ich sonntags kostenlos telefonieren konnte. Auch Chatten wäre
ohne finanzielle Mehrbelastung möglich gewesen, da auch sein Vater eine Flat
hatte. Er schrieb mir nur ein paar SMS und rief ein paar mal kurz an. Dabei
ging es nicht um private Dinge sondern rein um das Geschäft. Es
interessierte ihn nicht mal wie es mir ging.
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Posted: 03:05, 27.05.2006 |
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Der Abgesang
An Sonntagen wenn wir beide frei hatten und das richtige Wetter war um etwas
zu unternehmen zog er sich nicht mal an. In der Unterhose bewegte er seine
Masse erst zum Klo und dann zum PC. Die Nachmittage vergingen und er war
nicht dazu zu bewegen aus dem Haus zu gehen. Über seine TV- Karte glotze er
wahllos auf einem Bildschirm TV. Auf dem zweiten Bildschirm surfte er im
Internet. Die Alk- Flaschen vermehrten sich neben seinem PC ebenso der
Abfall. Er hielt es nicht für notwendig seine Flaschen zu entsorgen oder
seinen Abfall in die Mülltüten zu stecken. Er glotzte nur noch in jeder
freien Minute die er in der Wohnung verbrachte auf seine beiden Bildschirme.
Meine Versuche ihn mit Zärtlichkeiten von seinem Computer wegzulocken wurden
mit einem beiläufigen Tätscheln beantwortet. Dabei sah er mich manchmal
nicht einmal an.
Ich kaufte öfters mal was Leckeres und Teures eine: Wein, Schokolade etc. Es
kam immer wieder vor, daß er die teure Schokolade, oder die Chips alleine
gefressen und die Weinflasche fast ganz ausgesoffen hatte. Dann platzte mir
der Kragen. Ich wollte diese Dinge mit ihm gemeinsam genießen. Ich war
verletzt über seine Rücksichtslosigkeit und seine mangelnde Sensibilität.
Die Alk- Flaschen wurden immer schneller leer und durch neue volle ersetzt.
Fast jeden Abend hatte er einen im Tee. Ihm war sogar bewußt, daß er auf dem
besten Weg zum Alkoholiker war. Aber er tat nichts dagegen. Dann bekamen wir
überraschend einen größeren Auftrag und mußten zusammen mit
Speditionsfahrern in der Nacht verschiedene Läden einräumen. Diese Arbeit
hat ihn letztendlich davon abgehalten sich jeden Abend die Kante zu geben.
Auch der Sex mit ihm war mit der Zeit immer langweiliger geworden. Das
Ambiente war ihm zunehmend egal. Ab und zu kaufte ich mal eine Duftkerze
oder Räucherstäbchen. Im Supermarkt versuchte ich ihn immer wieder für ein
Duftöl zu begeistern. Fehlanzeige! Diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstand er
nicht einmal. Kerzen und Öle standen dann nur unbenutzt zu Hause herum. In
seinem Chaos wäre auch kein Platz mehr gewesen um eine Duftlampe, Kerze oder
ein Weinglas abzustellen.
Genau genommen hatten wir kein Sexualleben mehr. Wir rammelten rein zur
Befriedigung des Sexualbedürfnisses. Ein Austausch von Gefühlen fand nicht
mehr statt.
Die Kunst des Verführens, die er früher so gut beherrscht hatte, schien er
total vergessen zu haben. Auch wenn ich neben ihm im Bett lag kam von seiner
Seite absolut nichts mehr. Ich schlief ein während er entweder noch vor
seinem Rechner saß oder neben mir lag und noch stundenlang las. Stephen King
und seine Star Trek- Bücher waren ihm wichtiger als Kuscheln mit mir. Er
schien vergessen zu haben, daß eine Frau auch in einer längeren Beziehung
immer noch erobert und verführt werden will.
Heute glaube ich, daß der Sex mit mir ihm damals schon egal war: Meist kam
die Frage danach nur noch verbal. Wenn er seinen Wunsch dennoch äußerte
indem er mich berührte geschah dies ohne Überzeugung und vor allem ohne
Liebe. Aber: Masturbieren kann ich auch ganz gut alleine und Onanieren geht
bei einem guten Porno sowieso besser.
Mehrmals täglich beklagt er sich über sein Gewicht, jammert über die miese
Arbeit, die schlechte Bezahlung, das Chaos in der Wohnung und die fehlenden
gemeinsamen Unternehmungen. Jedoch lehnte er jeden konstruktiven Vorschlag
mit einer Vielzahl von Pseudo- Argumenten ab.
Der Zustand und das Aussehen seiner Kleidung war ihm mehr und mehr piepegal;
mir irgendwann auch. Wenn er nicht weiß was für ihn gut ist und was nicht,
wie soll ich das dann wissen?
Seine Körperhygiene ließ im letzten Jahr unseres Zusammenlebens sehr zu
wünschen übrig. Geduscht hat er höchstens noch einmal pro Woche. Nicht
einmal nach dem Sex duschte er am Morgen danach. Seine Haare ließ er
monatelang wild wachsen: Natürlich gediehen unter diesen Umständen seine
Schuppen prächtig. Sein Schreibtisch und seine Kleidung waren übersät mit
seinen Schuppen gegen die er nichts mehr unternahm. Eines Tages nahm er
meinen mißbilligenden Blick wahr und fragte ob ich mich seine Schuppen
störten. Ob solch einer Frage war ich erstaunt. Er kam nicht im Traum auf
die Idee, daß er mich mit seiner mangelnden Sauberkeit mehr und mehr
abstieß. "Du mußt selber wissen was für dich gut ist und was du tun mußt
damit du dich wohl fühlst" gab ich ihm zur Antwort. Ich stand wieder kurz
vor einer Explosion hielt mich aber zurück. Es hatte ja doch keinen Zweck
außer daß ich meine Nerven ruinierte und am Ende heulte.
Mein Gefühl des Ungeliebtseins steigerte sich noch. Ich war es ihm nicht
wert, daß er sich für mich um einen attraktiven äußerlichen Zustand bemühte.
Dann sollte er es eben bleiben lassen! Es ging auch ohne ihn. Für den
Zustand seines Körpers ist er alleine verantwortlich. Ich weigerte mich ganz
einfach einem erwachsenen Mann zu sagen welche einfachen für andere Leute
selbstverständlichen Dinge er tun solle so wie man dies einem kleinen Kind
sagen muß. Da hatten seine Eltern in ihrer Erziehung offensichtlich etwas
versäumt.
Er jammerte darüber, daß er sich von mir vernachlässigt fühlte, aber er kam
nicht auf den Gedanken, daß zu einer funktionierenden Beziehung auch er
seinen Part beitragen mußte. In immer wiederkehrenden Diskussionen versuchte
ich ihm dies klarzumachen aber ich sprach hier gegen eine Wand. Ich machte
immer wieder Vorschläge was wir gemeinsam unternehmen könnten und fragte ihn
wozu er denn Lust hätte. Die Antwort war Schulterzucken oder Schweigen.
Während des letzen Jahres unserer Beziehung waren wir zweimal beim Picknick,
dreimal im Blues- Keller, einmal in der langen Nacht der Museen, zweimal
Essen, dreimal im Fitnesstudio und ein halbes Dutzend mal spazieren. Auch
für die Seltenheit dieser gemeinsamen Unternehmungen gab T. mir die Schuld.
Mit unserem spärlich gewordenen Sexualleben war er unzufrieden und beklagte
sich ständig. Der Sex war ihm zu langweilig und immer das Gleiche. Aber er
suchte die Schuld dafür alleine bei mir. An sich etwas zu ändern und von
seiner Seite aus einen Beitrag zu leisten war er nicht bereit - oder nicht
fähig? Ein Anfang wäre schon mal regelmäßiges Duschen und Zähneputzen
gewesen. Welche Frau gelüstet es nach einem Mann der nach Schweiß stinkt,
der ihr seine Alkoholfahne beim Küssen ins Gesicht schleudert und der sie
mit seiner ständig wachsenden Wampe erdrückt?
Am Ende wollte er, daß ich auch noch für den Sex die Initiative ergreife. Er
wollte sich nicht nur im Haushalt von vorn bis hinten bedienen lassen
sondern auch noch im Bett. Sex mit einem ungewaschenen nach Alk duftenden
Bären? Das reichte!!!
Nicht nur sein Zimmer sondern die ganze Wohnung vermüllte mehr und mehr. Ich
sah es nicht mehr ein den gesamten Haushalt alleine zu schmeißen und zog
mich zunehmend in mein eigenes inneres Reich zurück. Dann stürzte mich in
die Arbeit. Im Hinterkopf hatte ich immer noch die Hoffnung, daß wir uns
durch die gemeinsame Firma und seine wieder hergestellte volle
Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit eine größere Wohnung leisten könnten.
Ich war froh aus dem Haus zu sein und kam nur noch zum Schlafen nach Hause
und um die Meerschweine zu versorgen. Auch mein Bedürfnis nach
Sozialkontakten stillte ich außer Haus: Mit Kunden wechselte ich mehr
private Worte als mit T. Auch Anerkennung für meine Leistungen bekam ich von
meiner Klientel mehr als zu Hause.
Offensichtlich war ich nur noch seine Bedienstete ohne Anrecht auf
tarifgerechte Bezahlung.
Wenn ich nicht kochte wurde eben nicht gekocht, dann ging ich eben ins
Restaurant, wenn ich nicht putzte wurde eben nicht geputzt. Die Mülltüten
stapelten sich in der Küche, ebenso die leeren Flaschen obwohl der Container
nicht mal 5 Minuten von uns entfernt war. Das Badezimmer wurde immer
schmutziger ohne daß ihn das groß störte. Er meckerte zwar täglich über den
Zustand der Wohnung - aber sein Meckern war mir egal, ich wollte Taten
sehen! Wenn er etwas ändern wollte sollte er selbst zum Schwamm und
Schrubber greifen. Erst wenn es auch für seine Begriffe zu schlimm geworden
war ergriff er die Initiative und wir räumten gemeinsam auf oder putzten Bad
und Küche. Einmal hatte er sein Zimmer und die Küche unter Wasser gesetzt
und mit dem Wischer hantiert. Ich befürchtete, daß die ganze Brühe durch die
Decke zum Nachbarn in die Wohnung laufen könnte und war kurz vorm
Ausflippen. Sein Kommentar: Er wolle mir doch damit einen Gefallen tun, aber
ich hätte ihm doch nie gezeigt wie das richtig ginge. Es konnte nicht
angehen, daß man einem Menschen mit 29 Jahren noch das Putzen beibringen
mußte! Eigentlich wollte er mit damit nur demonstrieren, daß der diese
Arbeit nicht verrichten kann und mir damit nahelegen dies doch bitte in
Zukunft wieder selber zu machen.
Am Ende übernahm er das Kochen. Er gab vor dies für mich zu tun weil er mir
damit eine Arbeit abnehmen wollte. Aber heut glaube ich, daß ihm die Besuche
im Restaurant auf Dauer einfach zu teuer geworden sind.
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Posted: 03:05, 27.05.2006 |
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Die entgültige Verfroschung
Dieses Wesen hatte mit dem Mann den ich vor ein paar Jahren kennen und
lieben gelernt hatte nichts mehr zu tun. Seine Fresserei, der Alkohol und
vor allem die Vernachlässigung der Körperpflege hat jegliche Erotik getötet.
Sie starb zusammen mit dem Mann in den ich mich einst verliebt hatte einen
langsamen qualvollen Tod. Aus dem Mann, mit dem ich zu Beginn der Beziehung
über Gott und die Welt reden konnte war ein Nörgler und Authist geworden.
Aus einem verführerischen Kerl mit dem ich Spaß im Bett hatte war ein
Sexmuffel geworden. Aus einem feinsinnigen gefühlsbetonten Menschen ein
unsensibler Bauerntrampel. Seine ehemals vielseitigen Interessen
beschränkten sich nur noch auf die Glotze und den Flugsimulator. Er trat nur
so lange für die Gleichberechtigung ein bis er bei mir untergeschlüpft war.
Der aufmerksame liebevolle Prinz hatte sich durch eine seltsame Metamorphose
in einen Frosch verwandelt.
Dennoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt:
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Posted: 03:03, 27.05.2006 |
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Das Vater- Sohn Verhältnis
Er war der Kronprinz, der gegen seinen Vater den alten weisen König
rebellierte. Je mehr sich das Verhältnis zu seinem Vater verbesserte, desto
mehr verschlechterte sich unsere Beziehung. Schließlich und endlich forderte
der König die Thronfolge ein - einschließlich der Zeugung eines neuen
Kronprinzen. Mit meiner Weigerung Kinder zu gebären hatte ich meine Rechte
auf den Kronprinzen verspielt.
Nachdem er sich mit seinem Vater ausgesöhnt hatte begann dieser systematisch
einen Keil zwischen uns zu treiben.
Die Aussagen seines Vaters hatte er nie in Frage gestellt, auch wenn sie
sich nach näherer Prüfung als ziemlicher Blödsinn entpuppt haben. Auch dafür
fand er eine Entschuldigung.
Er torpedierte jede Idee die T. oder ich hatten damit er in München mit
seinen gelernten Fähigkeiten auf die Füße kam. Sein Vater hielt ihn bewußt
am langen Arm auf die Entfernung in Abhängigkeit. Am Ende bezahlte er auch
seine Mitwohn- Schulden großzügig bei mir. Er hatte ihn von mir freigekauft
wie man dies im Mittelalter mit einem Leibeigenen tat.
wird fortgesetzt
© Heuschrecke
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Posted: 03:02, 27.05.2006 |
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